Der Junge in der 2. Reihe

Immer sagen, was man will!
Immer sagen, was man will!

 

Den gesamten Text gibt es in keinem Buch.

Der Ausschnitt ist ein Teaser und eine Anregung!

Ich glaube die Gesellschaft hat zu wenig ernstzunehmende Leitbilder. Wir lassen unsere Jugend alleine, verloren auf weiter Flur stehen. Und nicht nur unsere Jugend, auch die Politiker zeigen so wenig Profil wie noch nie!

 

 

"Ich habe das Tagebuch von Harriet Malum gefunden, sie schreibt über Lukas und ihr Leben. Mehr will ich nicht sagen. Gefunden und gelesen, weitererzählt, weitergegeben und besprochen. Diskutiert haben wir es und ich glaube einer hat sogar darüber promoviert. Aber nichts hat zu einem weitreichenden Bekanntwerden dieser tiefgründig abstoßenden und doch verständlichen Tatsache beigetragen. Deshalb erdreiste ich mich, die mit mir geführten Gespräche über Harriets Entscheidung mit ihnen zu teilen; sie ihnen zu berichten, auf dass sie sich selbst ein Urteil machen können, wie wir als Gesellschaft die Geschehnisse auffassten und wie wir sie verarbeiteten. Im besten Falle wird ihnen dieses Geschehen eine lehrreiche und verstörende Erfahrung werden. Wir haben einen kommentierten Ausschnitt erarbeitet, der Ihnen einen Einblick in dieses Werk ermöglicht."

 

Lukas fand sich toll. In seiner jugendlichen Welt, war er der Mittelpunkt.

 

"Wir sind der Meinung, dass ein jeder Jugendliche der Mittelpunkt seines Lebens sein muss, denn ansonsten fehlt ihm das Potenzial sich eine eigene Persönlichkeit aufzubauen und produktives Mitglied der Gesellschaft zu werden. In der Bestätigung dieser Persönlichkeitsfindung entwickelte er nun immer wieder verschiedene unbewusst aufgefasste Thesen, wie sich seine Umwelt um ihn bewegte. Mal war er die Sonne im Universum, mal war er ein unbedeutender Asteroid."

 

Irgendwo zwischen diesen Extremen bewegte er sich, leider war er nicht die Sonne und glücklicherweise war er nicht der Asteroid, wie er Harriet gegenüber erzählte. Er beobachtete die Umwelt nicht, er ließ die Umwelt auf sich zukommen. Die Welt strömte auf den Teenager ein und beeinflusst sein Handeln und sein Bild von der Welt grundlegend.

 

"Wir sind der Meinung, dass genau diese Art des Handelns ein charaktertypischer Grundzug der heutigen Jugend ist. Das Kämpfen für Ideale ist in den Hintergrund getreten und die Flut der Informationen, lässt den Heranwachsenden zu einem Piloten ohne Kontrolle über seinen Düsenjet werden. Erst kurz vor der Bruchlandung kommen die meisten zu sich. Eine solche Charakterentwicklung nennen wir im Volksmund Erziehungsstarre und ad-hoc adolescenz."

 

In diesem Falle war die Entwicklung auch keineswegs eine besondere. Es war gar keine spezielle Begebenheit, kein Ergebnis, das aus seinem Zutun heraus erwuchs, es war nur einfach so. Seinen Platz in der beschützten Gesellschaft der Schule wurde ihm kampflos zugewiesen. Er durfte nicht dafür kämpfen, auch nicht, wenn er es gewollt hätte. Er hatte weder die Möglichkeit zu gewinnen, noch zu verlieren, es gab keine Lücke die er ausfüllen musste, er wurde einfach.

Es war mehr ein kontinuierlicher Prozess der Auswahl und des Interesses, welcher Lukas auf seinen Platz verwies. Drehte sich die Welt noch in seinen Augen, denen eines Kindes, um ihn, so wurde er erwachsen und fängt an zu erkennen, dass er nicht die Mitte der Welt ist.

 

"Wir sind uns alle darin einig, dass diese Erkenntnis für einen Jugendlichen erst schleichend, dann immer drängender zu einer unumstößlichen Wahrheit wird. Wie Sand, der vom Wind verblasen wird und mit der Zeit umso deutlicher das Gestein unter ihm offenbart, so muss sich für ihn die Wahrheit enthüllt haben.

Die Realität für Lukas muss dementsprechend genauso peinigend gewesen sein wie der Zweite Platz für einen Sportler."

 

Die Realität verwies den Jungen auf die Ersatzbank, sie verwies ihn in die Ecke der Selbstzweifel und der Anti-Akne-Mittel. Erst waren es die Mädchen, die sich für seine Freunde, aber nicht für ihn interessierten

 

 

"In der 7. Klasse können Jungen, so etwas aber noch verkraften, ihr Interesse auf andere Dinge lenken. Doch seine Freunde verblieben nun zusehend länger mit den Mädchen an geheimen Plätzen, was dazu führte, dass er aufgrund von Nachsuchen und Verdächtigungen feststellen musste, dass sogar sein bester Freund sich statt mit ihm, mit einem dieser Busenmonster traf (wortwörtlich geht die fiktive Psychoanalyse in Harriets Tagebuch den hier beschriebenen Weg)."

 

Im Weiteren beschreibt sie den erniedrigenden Fortgang seiner Degradation hinab auf die zweite Ebene der Männer von heute.

 

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Fei(s)ste Worte

Feisste Worte war mein erstes Buch. Dazu entstand der Blog, mehr Recht als Schlecht gepflegt. Ein Ort der Krakelei. Der Erfüllung. Ein Ort vieler Punkte. Mit Kommas habe ich es nicht so.

 

 

In dem Sinne. Arbeiten Sie weniger und lesen Sie mehr. Die Wahrscheinlichkeit, dass Lesen sie glücklich macht ist deutlich höher.

 

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