Ein Sommer wie Morphium

Die Zeit geht an mir vorbei ohne sich darum zu kümmern was ich mit ihr anstelle…

 

Der Sommer, so stickig und trüb er dieses Jahr in Deutschland ist, lässt mich immer wieder auf einen Song zurückfallen. Die Strophen die ich hier zitiere gehen auf das Rolling-Stones Songbuch zurück:

 

Sister Morphine

 

Here I lie in my hospital bed
Tell me, Sister Morphine, when are you comin‘ round again?
Oh, I don’t think I could wait that long
Oh you see that my pain is so strong

 

All the information stated medicine man with some pain
Tell me, Sister Morphine, when are you comin‘ round again?
Oh, I don’t think I can wait that long
Oh, you see that I’m not that strong

 

The scream oft he ambulance is sounding in my ear
Tell me, Sister Morphine, how long have I been lyin‘ here?
What am I doin‘ in this place?
Why does the doctor have no face?
Oh, I can’t crawl acoss the floor
Can’t you see, Sister Morphine, I’m just tryin‘ to score

 

And that just goes to show, things are not what they seem
Please, Sister Morphine, turn my nightmare into a dream
Oh, can’t sleep till I’m feeling fine
And that this shot will be in the line

 

Please, cousin cocain, place your cool hands on my head
Hey, Sister Morphine, you better make up my bed
For you know between the night time and the morning oft he day
That you sit around and watch and meanwhile the sheets stain red

 

Diese Zeilen führen mich zum Statement dieses Sommers:

 

Meine Krankenschwester wirkt wie Morphium, sie kettet mich an mein Bett, presst mich in den Liegestuhl und lässt die Welt um mich herum verschwimmen; Sie ist die trübe und drückende Luft des Sommers. Sie fühlt sich an wie ein Aufenthalt im Krankenhaus, kein Wind, keine Frische. Die einzige Abwechslung ist der erfrischende Sprung ins kalte Nass und der kühle Schlaf, der das Geschenk der Nacht an dich ist. Die Schockbrausen die mir der Arzt verordnet hat sollten kälter sein, aber das Wasser im Baggersee ist schon gefährlich grün und warm, so wie der grüne Tee meiner Krankenschwester. Im Sommer siecht es sich so gut, der Tag zum Kreuz.

Die Nacht wird dann zum Aufwachraum, einem Platz im Keller meines Hospitals. Dort ist es kühl und die Dämpfe der Komapatienten sammeln sich unter der Decke. Der Schlaf der meisten war sehr tief, erst beim Erwachen stellen sie fest, was in der Nacht geschehen ist. Doktor Moskito hat tief in der Nacht seine Fettabsaugpumpe angeworfen. Die mir von ihm verordnete Kur war zwar unfreiwillig, dennoch aber effizient; Jetzt hat meine Haut die Spannung meiner Jugend wieder.

Hier hilft kein Klagen und kein Prozessieren, denn weder der Sommer noch Doktor Moskito könnte man habhaft werden. Es bleibt alleine, was wir nicht ändern können, es bleibt die Zeit, mit der wir nichts anstellen, als darauf zu warten, dass sich die Erde weiter dreht und endlich die Frische des Herbstes mit einem Nasenstüber den schwülen Sommer vertreibt.

 

Die Koksnase des Cousins zur Erholung von den Plagen bleibt wohl den Rolling Stones vorbehalten. Für mich bleibt nur der Herbst, eine Erfrischung nach einem schrecklich schwülen Sommer, eine Flucht aus dem Krankenhausbett, eine Liebe in naher Zukunft.

 

Der Link zum Song: Sister Morphine

 

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